Mobilität der Zukunft

Es ist schon erstaunlich, dass gerade der Konzern, der in den USA wegen seiner betrügerischen Aktivitäten verurteilt wurde und noch längst nicht aus der Nummer raus ist, wieder einmal den Mainstreamer macht. War seinerzeit der betrügerische “Clean” Diesel das Evangelium, ist es jetzt das akkumulatorbetriebene Elektroauto. Technologieoffenheit sieht anders aus. Da sollte VW mal einen Blick nach Japan riskieren.

Seriöse Ingenieure oder Naturwissenschaftler kennen den Begriff Risikoeinschätzung, wenn es um die Einführung neuer Technologien geht. Sicherlich sind Akkumulatoren und Elektromotoren keinen neuen Technologien. Wenn aber flächendeckend Akkumulatoren in Kraftfahrzeuge eingebaut werden, sollten hier schon ein paar Fragen mitschwingen.

Die erste Frage betrifft den Umweltschutz. Was geschieht mit den gewaltigen Akkumulatormengen, die nach einem Lebenszyklus im Fahrzeug anfallen. Es ist ja bereits im Bereich der Verbraucherelektronik erstaunlich, wo der Abfall überall landet. Von einem zweiten Leben kann ja in vielen Fällen keine Rede sein. Es sollten also bereits im Frühstadium die Weichen für einen zuverlässigen Recyclingkreislauf gestellt werden.

Die zweite Frage ist sozialwissenschaftlicher Natur. Bei den gegenwärtig verwendeten Lithium-Polymer Akkumulatoren benötigt man Kobalt. Bekanntermaßen ist der Kobaltabbau im Kongo nicht gerade arbeitnehmerfreundlich. Die Arbeitnehmerfreundlichkeit nimmt sicherlich nicht mit steigender Kobaltnachfrage zu. Sollte hier demnächst das Motto lauten: Sklavenhaltung für CO2-Reduktion? Umweltwahn führte ja schon einmal zu einer Entwicklung, die für viele den blanken Hunger bedeutet. Agrosprit (für die Grünen war es seinerzeit der Heilsbringer für die Umwelt) hat die Landwirtschaft schließlich völlig verändert. Wo Pflanzen für Agrosprit angebaut werden, können keine Pflanzen für Nahrungsmittel angebaut werden. Da Land nicht beliebig vermehrbar ist, führte dieser geniale Nachhaltigkeitsgedanke zur Rodung von Regenwaldgebieten. Nur zu dumm, dass gerade der Regenwald für die Kohlenstoffdioxidbilanz außerordentlich wichtig ist. Solch eine Fehlentwicklung sollte in Zukunft vermieden werden.

Sicherlich gibt es auch noch die Akkumulatorenforschung. Sicherlich werden zukünftig auch andere Akkumulatoren zu Verfügung stehen, die dann nur aus hochverfügbaren Elementen bestehen und eine deutlich höhere Leistungsfähigkeit aufweisen als die gegenwärtigen Akkumulatoren. Wenn sich die Anzahl der möglichen Ladezyklen und damit die Lebensdauer, die Ladungsdichte und die Ladungsdauer deutlich erhöhen, dann werden die Karten zugunsten des akkumulatorbetriebenen Elektroautos neu gemischt. Aber bis zu diesem Zeitpunkt ist eine CO2 reduzierende technologische Vielfalt angebracht, die auch in gleicher Weise politischer Unterstützung bedarf.

Ein Hybridantrieb bestehend aus Elektro- und Verbrennungsmotor trägt schließlich auch zur CO2-Reduktion bei, wenn aus CO2 hergestellter synthetischer Treibstoff Verwendung findet. Die Brennstoffzellenentwicklung ist auch nicht eingeschlafen. Nach Aussage von Toyota ist der Einsatz selbst unterhalb der Mittelklasse zukünftig realisierbar.

Die Diskussion über den Einsatz synthetischer Treibstoffe wird sehr unterschiedlich geführt. Die militanten Gegner des Verbrennungsmotors und glühende Akkumulatorenenthusiasten weisen die Machbarkeit vehement zurück. Dem gegenüber stehen Startups, die bereits verfahrenstechnisch die Problematik im Griff haben. Vermutlich wird Norwegen intelligenter mit der Produktion synthetischer Treibstoffe umgehen als Deutschland. Auf jeden Fall zeichnet sich eine erfolgreiche Zusammenarbeit des deutschen Unternehmens Sunfire und des norwegischen Unternehmens Nordic-Blue-Crude ab.
Beim Einsatz synthetischer Treibstoffe kann bewährte Antriebstechnik mit Kohlenstoffdioxidreduktion kombiniert werden. Zugleich kann nahtlos auf Kraftstoffverteilernetze zurückgegriffen werden.

Da auch beim Einsatz synthetischer Kraftstoffe lokal Abgase erzeugt werden, haben Elektrofahrzeuge in Ballungszentren ihre Daseinsberechtigung. Allerdings wird hier der individuelle Kraftfahrzeugverkehr mit zunehmender Steuerungsintelligenz der öffentlichen Verkehrsmittel ohnehin verschwinden.

Bleibt also die Frage, ob durch die enge Fokussierung auf die Elektromobilität nicht milliardenschwere Subventionen aus Steuermitteln in den Sand gesetzt werden. Probleme dieser Art gab und gibt es in Deutschland ja immer mal wieder!

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